ARENA – Deutsche Tageszeitung der nördlichen Costa Brava

Proteste bei Alstom

Katalonien/Spanien: Am Mittwoch begann eine Protestbewegung der Belegschaft der Firma Alstom in Santa Perpetua de Mogoda, in der Einzelteile für den Schienenverkehr hergestellt werden. Die Mitarbeiter wehren sich gegen die Entscheidung der Firmenleitung, 320 Mitarbeiter zu entlassen und 40 weitere an Standorte in Frankreich und Italien zu versetzen. Sollte ihr Streik nicht fruchten, wollen die Betroffenen die Generalität um Vermittlung bitten.
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Hannoversche Allgemeine 8. 7. 2011

Von Dirk Stelzl

Die Produktion bei Alstom in Salzgitter wird fortgesetzt, die befürchteten Massenentlassungen wird es nicht geben. Bahnbauer und IG Metall haben sich auf einen Standortvertrag für das Werk Salzgitter geeinigt.

Erleichtert nach monatelangen Verhandlungen: IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine (links) und Alstom-Betriebsrat Bernd Eberle.  © Insa Catherine Hagemann
Erleichtert nach monatelangen Verhandlungen: IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine (links) und Alstom-Betriebsrat Bernd Eberle. © Insa Catherine Hagemann

Hannover. Eigentlich müsste Bernd Eberle dringend ins Bett. Seit etwa 50 Stunden habe er so gut wie nicht mehr geschlafen, sagte der Betriebsratschef des Alstom-Werks in Salzgitter am Donnerstag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Hannover. Doch seine Freude über das in der Nacht zum Donnerstag erzielte Verhandlungsergebnis ist so groß, dass man ihm die Müdigkeit nicht anmerkt. Eberle erzählt von der Betriebsversammlung am Morgen, auf die Belegschaft über den ausgehandelten Standortsicherungsvertrag informiert wurde: „Ich habe schon lange nicht mehr so viele gestandene Männer weinen sehen.”

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich das Management des französischen Bahntechnikunternehmens und die Belegschaft auf einen Vertrag geeinigt, mit dem Massenentlassungen in dem Werk und die befürchtete Komplettverlagerung des Rohbaus von Schienenfahrzeugen nach Polen abgewendet werden konnten. Der Durchbruch kam bei einem Gespräch im Gästehaus der Salzgitter AG zustande, an dem auch IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine und Norbert Reiners vom Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall teilnahmen. Das wesentliche Ergebnis: „Bis zum 31. August 2016 kann bei Alstom keiner rausfliegen”, sagte Meine.

Beide Parteien hätten sich auf eine „Vereinbarung zur Zukunftssicherung und zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Werkes Salzgitter” verständigt, teilte der Alstom-Konzern mit, ohne Details zu nennen. Sie habe das Ziel, die Wirtschaftlichkeit und Flexibilität der Produktionsstätte zu verbessern. Das Unternehmen hatte angekündigt, 700 Stellen zu streichen und Verträge von befristet Beschäftigten nicht zu verlängern – und stieß mit seinen Plänen auf heftigen Widerstand in der Region. Das fast 30 Seiten umfassende Vertragswerk sieht nach Angaben der IG Metall nun folgende Kernpunkte vor:

  • Bis Ende August 2016 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Zwar sollen in den kommenden Jahren zwischen 160 und 250 Arbeitsplätze gestrichen werden – dies jedoch nicht durch Entlassungen, sondern dadurch, dass Mitarbeiter mit Abfindungen zum freiwilligen Ausscheiden ermuntert werden. Zudem sollen Stellen nicht wiederbesetzt werden, wenn Mitarbeiter in Rente gehen. Betriebsrat und Gewerkschaft hoffen, dass dank guter Auftragseingänge nicht so viele Stellen wegfallen. Derzeit arbeiten dem Werk rund 2700 Mitarbeiter, davon 2050 in unbefristeter Anstellung.
  • Etwa die Hälfte des Rohbaus (bisher mehr als 200 Beschäftigte) bleibt in Salzgitter. Die Zusammenarbeit mit dem Standort im polnischen Kattowitz soll verstärkt werden.
  • Die tarifliche Arbeitszeit beträgt weiterhin 35 Stunden in der Woche. Hinzu kommt aber eine unbezahlte Stunde je Woche mehr für Qualifizierung
  • Das Urlaubsgeld wird bis zu vier Jahre lang halbiert, wenn das Werk bestimmte Renditeziele nicht erreicht. Nach Angaben des Konzerns fielen in Salzgitter zuletzt jährliche Verluste von bis zu 50 Millionen Euro an.

Dass der Standort in den nächsten Jahren gesichert ist, sei der „kämpferischen” Belegschaft zu verdanken, sagte Meine. Der Gewerkschafter lobte auch die Unterstützung aller politischen Parteien. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und SPD-Chef Sigmar Gabriel hätten sich engagiert für die Alstom-Beschäftigten „reingehängt”. So hätten die Alstom-Manager feststellen müssen, dass man in Niedersachsen zusammenhalte: „Ich glaube, da haben wir was Tolles hingekriegt.”

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Presseinformation

ZUKUNFT FÜR ALSTOM SALZGITTER GESICHERT

Keine betriebsbedingten Kündigungen!

Salzgitter – Nach monatelangen Gesprächen mit der Geschäftsführung des Schienenfahrzeugbauers Alstom konnte in der vergangenen Nacht ein Standortsicherungsvertrag für das Alstom-Werk in Salzgitter erzielt werden:

  1. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende August 2016 ausgeschlossen. Notwendige Personalanpassungen erfolgen über ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Über diesen Weg sollen rund 160 Stellen abgebaut werden. Darüber hinaus wird ein Teil der Beschäftigten, die in den Ruhestand gehen, nicht ersetzt.
  2. Zentrale Umfänge des Stahlrohbaus bleiben am Standort in Salzgitter erhalten. Die Partnerschaft mit dem polnischen Standort in Kattowitz wird ausgebaut.
  3. Die tariflich abgesicherte Arbeitszeit beträgt weiterhin 35 Stunden / Woche. Es wird eine unbezahlte Arbeitsstunde zur Qualifizierung der Beschäftigten eingeführt.
  4. Das Urlaubsgeld wird für vier Jahre halbiert, wenn die betriebswirtschaftlichen Ziele nicht erreicht werden können.

20110707-igmetallHartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, bewertete den Standortsicherungsvertrag „als tragfähigen, aber für die Beschäftigten schmerzhaften Kompromiss. Wichtig für uns ist: Die Zukunft des Alstom-Standortes ist nachhaltig gesichert.” Bezirksleiter Meine bedankte sich bei Ministerpräsident McAllister, SPD-Vorsitzenden Gabriel und anderen Politikern aller Parteien für die Solidarität.

Horst Ludewig, IG Metall-Bevollmächtigter in Salzgitter, betonte, dass die Alstom-Beschäftigten „eine Menge zur Sicherung des Standortes und der Beschäftigten beitragen müssten und dies jetzt auch vom Management erwarten würden.”

Bernd Eberle, Betriebsratsvorsitzender im Alstom-Werk Salzgitter, brachte es auf den Punkt und sagte nach den heutigen Verhandlungen: „Die Kuh ist endlich vom Eis. Niemand fliegt raus und die Beschäftigten in Salzgitter können weiterhin gute Schienenfahrzeuge bauen.”

(Presseinformation Nr. 42 / 7. Juli 2011) http://www.igmetall-nieder-sachsen-anhalt.de/News-Details.25+M51392f9ef98.0.html

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Vertrag zur Standortsicherung bei Alstom unterschrieben

Salzgitter (dapd). Nach monatelangem Ringen um die Zukunft des von Sparplänen bedrohten Alstom-Werkes in Salzgitter haben sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf Bedingungen zur Standortsicherung geeinigt. Die Verträge seien in der Nacht zu Donnerstag unterschrieben worden, teilte die IG Metall mit. Die Laufzeit dauere bis zum 30. August 2016. Nähere Informationen wollte die Gewerkschaft im Lauf des Tages mitteilen.

Erst am Mittwoch hatte der Betriebsrat aus Frust über den Verlauf der Verhandlungen der Geschäftsführung damit gedroht, eine unbefristete Betriebsversammlung abzuhalten. Der Bahntechnik-Hersteller hatte in Salzgitter ursprünglich den Abbau von 700 Stellen und die Verlagerung des Stahl-Rohbaus nach Polen geplant.
dapd 7. Juli 2011

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