Alstom: Februar könnte Monat der Wahrheit werden /
Streit um Rahmenbedingungen für Stellenabbau dauert an

Betriebsrat will Sparkonzept noch nicht unterschreiben

Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kros

PARIS/MANNHEIM. Für die rund 2300 Mitarbeiter im Mannheimer Alstom-Werk geht das bange Warten vorerst weiter: Management und europäischer Betriebsrat konnten sich gestern in Paris nicht abschließend auf Rahmenbedingungen für den bevorstehenden Stellenabbau einigen. „Es gibt noch keine Unterschrift”, sagte Udo Belz, Chef der Arbeitnehmer­organisation, im Anschluss an das Treffen. „Wir sind bei einzelnen Formulierungen nicht einig”. Knackpunkt sei nach wie vor die Möglichkeit von betriebsbedingten Kündigungen.

Auswirkungen weiter unklar

Einigkeit besteht lediglich insofern, dass es weder Standortschließungen noch Personalabbau geben wird, bevor nicht Maßnahmen wie Kurzarbeit, Arbeitszeitverkürzungen oder ein Lastenausgleich zwischen den europäischen Standorten geprüft wurden. In Mannheim sind betriebs­bedingte Kündigungen ohnehin noch bis zum Herbst dieses Jahres ausgeschlossen. Man werde sich nun Anfang Februar erneut treffen, um die Streitigkeiten auszuräumen, so Belz.

Alstom hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres mitgeteilt, wegen der schlechten Geschäftslage in seiner Energiesparte weltweit 4000 Arbeitsplätze streichen zu wollen. In welchem Maße der Standort Mannheim, wo unter anderem Turbinen zur Stromerzeugung gebaut werden, davon betroffen sein wird, ist noch nicht klar. Laut interner Papiere aus Paris sind dort bis zu 500 Stellen bedroht.

Die Verhandlungen darüber sind aber noch nicht aufgenommen. Zunächst soll ein vom Betriebsrat in Auftrag gegebenes Gutachten Aufschluss darüber bringen, ob für den geplanten Stellenabbau wirtschaftliche oder strukturelle Gründe verantwortlich sind. „Mit Ergebnissen rechnen wir Ende Februar”, sagte Belz gestern. Erst danach werde man über Standorte reden und schließlich auf nationaler Ebene Verhandlungen einleiten.

Mannheimer Morgen,18. Januar 2011

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