Proteste bei Alstom in Bexbach

Beitrag vom: 03.11.2010

Beschäftigte zeigten Flagge gegen geplanten Stellenabbau der Kraftwerkssparte.
Gestern um 13 Uhr versammelten sich Mitglieder der Partei Die Linke, IG-Metaller und viele Beschäftigte der Firma Alstom in Bexbach vor dem Werkstor, um gegen Stellenstreichungen zu protestieren. Unterstu?tzung gab es auch von Bosch und Krupp Gerlach.

Von SZ-Redakteurin Christine Maack

Homburg. In Bexbach wehten gestern die Fahnen der IG Metall vor den Werkstoren der französischen Firma Alstom. Denn die rund 250 Beschäftigten der Firma, die im Industriegebiet In der Kolling Turbinenschaufeln baut, sehen ihre Zukunft in Gefahr.

Das Management des Alstom Konzerns mit Sitz in Paris habe angeku?ndigt, weltweit 4000 Mitarbeiter abzubauen, davon 3200 in Europa, auch die deutschen Standorte seien betroffen, so die IG Metall. Details der Umsetzung wu?rden derzeit in der Konzernzentrale in Paris konkretisiert. Diese Einsparungspläne seien sehr u?berraschend gekommen und bisher nur hinter verschlossenen Tu?ren verhackstu?ckt worden, beklagt sich der Bexbacher Betriebsrats­vorsitzende Kai Mu?ller. Er kenne „dieses Spiel” nun schon seit Jahren, sagt der Gewerk­schafter, „da wird erst erzählt, die Konjunktur schleife, dann werden Leute entlassen, dann zieht die Konjunktur wieder an, dann werden wieder im Eiltempo Leute eingestellt.” Das französische Unternehmen u?bernahm 2001 von der damaligen Firma ABB die Sparte Kraftwerksbau, die jetzt „Power” heißt und ein wichtiges Standbein des als Transportmittelbauers bekannten Herstellers ist.

Auch an anderen Alstom-Standorten in Deutschland, darunter in Mannheim, fanden gestern Kundgebungen statt. Die Bexbacher Alstom-Beschäftigten empfanden ihre gestrige Veran­staltung denn auch als Solidaritätsadresse an die Kollegen. Denn ob und wie Bexbach u?berhaupt von Einsparungen tangiert sein wird, ist noch längst nicht klar. Immo von Fallois, Leiter Unternehmenskommunikation, sagte gegenu?ber unserer Zeitung, dass Bexbach wohl nicht direkt vom Abbau betroffen sei. Außerdem sprach er lediglich von einem geplanten Stellenabbau von 600 Arbeitsplätzen in Deutschland.

Entschieden sei noch nichts, Gru?nde fu?r den Stellenabbau seien mangelnde Aufträge vor allem im Turbinen- und Kraftwerksbau in Europa. Das sehen die Betriebsräte von Alstom durchaus anders. Schuld an der schlechten Auftragslage sei vor allem das Management, das von Paris aus in „zentralistischer Art und Weise” herunterregiere und den einzelnen Stand­orten zu wenig Luft fu?r eigene Kreativität und Flexibilität zubillige, so Kai Mu?ller. Ein Umbau des Konzerns sei dringend notwendig. Die „ständigen und planlosen Umstrukturierungen aus Paris” schwächten die technischen Innovationen, die dringend notwendig seien, um das Unternehmen am Markt bestehen zu lassen, sagte der Betriebsratsvorsitzende. Das sei das Missmanagement von Absolventen von Elite-Schulen, von denen man etwas anderes erwarten könne, fu?gte Ralf Cavenius von der IG  Metall Homburg- Saarpfalz an.

Meinung

Zentralismus aus Paris

Von SZ-Redakteurin Christine Maack

In Bexbach ist noch nichts entschieden, also sollte man die gestrige Protestkundgebung bei Alstom vorerst auch nur als Warnschuss betrachten – und natu?rlich als  Solidaritätsbekundung fu?r die Kollegen an anderen, weit größeren Standorten. Was hingegen ganz ernst genommen werden sollte, das sind die offensichtlichen Mentalitätsunterschiede bei der Unternehmensfu?hrung. Während man bei Michelin, einem ebenfalls weltweit agierenden französischen Konzern, den einzelnen Niederlassungen viel Selbstständigkeit zubilligt, scheint bei Alstom noch der Zentralismus zu regieren. Die Mitarbeiter fu?hlen sich fremdbestimmt und ihrer Kreativität beraubt. Das lähmt und schädigt am Ende das ganze Unternehmen.

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Protest gegen Stellenabbau bei Alstom

RNF_2010-11-02

Der Kraftwerksbauer Alstom Power kündigte einen kräftigen Stellenabbau an. Daher informierte die Mannheimer Geschäftsleitung in einer mehrstündigen Betriebsversammlung über die Pläne. Anschließend zog die Belegschaft in einem Protestmarsch vom Werk im Stadtteil Käfertal auf den Marktplatz...

Zum Video

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KonzernBetriebsRat Alstom_logo_text Deutschland AG und IG Metall

Aufruf der deutschen Betriebsräte des ALSTOM-Konzerns und der IG Metall

Der ALSTOM-Konzern ist stärker als andere Unternehmen von den Nachfolgewirkungen der Finanzkrise betroffen. Er bewegt sich fast ausschließlich im Bereich der Investitionsgüter-Industrie für Infrastruktur, hat aber in der Vergangenheit nicht genügend für Investitionen in neue Produkte und verbesserte Prozesse getan. Ein Umbau des Konzerns ist notwendig, aber kann nur gelingen, wenn alle Standorte und Beschäftigten mitwirken. Dies beinhaltet auch, dass verbindliche Produkt- und Auftragszusagen eine verlässliche Grundlage bilden, um die Standorte optimieren zu können.

Diese Analyse haben die Beschäftigten der deutschen Standorte in Betriebsversammlungen in Salzgitter, Bexbach, Stuttgart und Düsseldorf vorgenommen und werden diese noch in Bammental, Kassel, Stendal, Berlin, Neumark und Mannheim diskutieren. Bei den bisher durchgeführten Betriebsversammlungen wurde deutlich, dass die Beschäftigten die Krise des Unternehmens, die durch das Missmanagement  hervorgerufen wurde,  nicht länger bereit sind hinzunehmen. Sie kritisieren die organisierte Verantwortungslosigkeit durch die häufigen Umorganisationen und die fehlenden Aktivitäten, um die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte und der Prozesse  zu verbessern.

Die Betriebsräte der deutschen Standorte und die IG Metall fordern daher den ALSTOM - Konzern auf, mit den Arbeitnehmervertretungen auf europäischer Ebene den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und auf deutscher Ebene eine Standort- und Beschäftigungsgarantie bis 2015 zu vereinbaren, die  auch verbindliche Zuweisungen der Produktplattformen und Aufträge zu den Standorten beinhaltet,  und sagen im Gegenzug Unterstützung beim Umbau des Konzerns zu. Sie werden der Ernsthaftigkeit ihrer Forderung an einem Aktionstag in der nächsten Woche Nachdruck verleihen.

KONZERNBETRIEBSRAT
ALSTOM Deutschland AG
gez. Udo Belz
 
Betriebsrat Transport DE
Salzgitter
Bernd Eberle
 
IG Metall
Vorstandsverwaltung Frankfurt
gez. Jochen Homburg
IG Metall
Salzgitter
gez. Horst Ludewig


Mannheim/Salzgitter, 28.10.2010

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KonzernBetriebsRat Alstom_logo_text Deutschland AG

Mannheim, 2 November 2010

Die Belegschaftsvertreter aller deutschen ALSTOM Standorte sowie die IG Metall sind sich einig, dass die geplanten Umstrukturierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen bei ALSTOM keine Lösung der angespannten Konzernsituation ist. Die Arbeitnehmervertreter sind der Auffassung, dass durch einen weiteren Personalabbau von über 4000 Beschäftigte, der ALSTOM Konzern sich selbst weiter schwächt und seine Wettbewerbsfähigkeit verringert.

Die Betriebsräte und die IG Metall fordern daher die Konzernleitung auf, die Auftragsflaute mit Nutzung aller Flexibilität der deutschen Tarifverträge und Gesetze wie z.B. Kurzarbeit, Altersteilzeit, Qualifizierungsmaßnahmen, tarifliche Reduzierung der Arbeitszeit usw. zu nutzen, um sich die erforderlichen Fähigkeiten und Funktionen für die erfolgreiche Bearbeitung des Marktes zu erhalten. Dazu ist es unverzichtbar, die derzeit im Konzern vorhandenen zentralistischen und unflexiblen Führungsstrukturen durch handlungsfähige lokale Organisationsstrukturen zu ersetzen. Die lokalen Einheiten müssen in der Lage sein, eigene Entscheidungen zu treffen sowie Kreativität und Handlungsspielräume zur Befriedigung der länder­spezifischen Kundenbedürfnisse einzusetzen.

Um gegen die strategielosen Entlassungspläne der Konzernleitung in Paris zu protestieren, fanden am 02.11.2010 an den einzelnen ALSTOM-Standorten in Deutschland - Bammental, Berlin, Bexbach, Düsseldorf, Kassel, Mainz-Kastel, Mannheim, Mönchengladbach, Neumark, Salzgitter, Stendal und Stuttgart - Aktionen wie Arbeitsniederlegungen, Betriebsver­samm­lungen, Kundgebungen und Demonstrationen statt. An den Protesten beteiligten sich Deutschlandweit über 5.000 Beschäftigte.

Die Aktionen und der Widerstand der Arbeitnehmervertreter, Beschäftigte und IG Metall werden massiv ausgedehnt, falls die Konzernleitung an den geplanten Restruk­turie­rungs­maßnahmen festhält.

KONZERNBETRIEBSRAT
ALSTOM Deutschland AG
gez. Udo Belz   gez. Kai Müller
IG Metall Vorstandsverwaltung
Frankfurt/Main
gez. Jochen Homburg
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KonzernBetriebsRat Alstom_logo_text Deutschland AG
und der IG Metall

Erklärung der Betriebsrätekonferenz ALSTOM Deutschland 2010

Die Konzernleitung von ALSTOM will 4000 Arbeitsplätze im Kraftwerksbereich vernichten. Weiterhin ist ein Abbau im Transportbereich vorgesehen. Damit sollen die überhöhten Rendite-Vorgaben erfüllt werden. Für die derzeit betroffenen Bereiche Thermal Systems und Products würde das bedeuten:

  • weitere Verlagerung vor allem nach Indien und China.
  • Fortführung des Zerschlagungskurses gegen die deutschen Standorte.

Die Forschung nach den Ursachen der Probleme bei ALSTOM und das eigene Versagen sind für die Konzernleitung tabu. Dafür setzt sie haltlose Behauptungen in die Welt, um ihr Abbauvorhaben zu rechtfertigen. Die Unternehmensleitung stellt die Entwicklung des internationalen Kraftwerksmarkts völlig falsch dar. ALSTOM selbst erwartet eine Nachfragesteigerung von bis zu 32 % schon in den nächsten 4 Jahren.

Statt dem Abbau von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie der Schließung von Standorten fordern wir:

  • die Fortführung der Beschäftigungsgarantie für alle Standorte bis 2015
  • den Erhalt der Kompetenzen aller Standorte
  • den Auf- und Ausbau alternativer Beschäftigungsfelder - insbesondere im Bereich der regenerativen Energieerzeugung

Wir unterstützen die Forderung des Europäischen Betriebsrats und der IG Metall nach Abschluss einer Rahmenvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt.

Der nationale Aktionstag bei ALSTOM am 2. November 2010 war nur der Auftakt für unseren Widerstand. Wir werden uns über alle Bereichsgrenzen hinweg örtlich, bundesweit und international mit aller Entschiedenheit gegen die willkürlichen Abbaupläne der Konzernleitung wehren.

Wir wissen aus Erfahrung: Nur wer kämpft, kann gewinnen. Wir kämpfen!

 

KONZERNBETRIEBSRAT
ALSTOM Deutschland AG
gez. Udo Belz   gez. Kai Müller
 
IG Metall
Vorstandsverwaltung Frankfurt
gez. Jochen Homburg
 


Betriebsrätekonferenz - Wiesloch, 11. November 2010

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