Alstom: Management zu Verhandlungen bereit

Jobs noch zu retten?

Paris/Mannheim. Das Management des französischen Alstom-Konzerns hat gegenüber dem Betriebsrat Gesprächsbereitschaft hinsichtlich des geplanten Stellenabbaus signalisiert. Das sagte Udo Belz, Chef der Arbeitnehmervertretung, gestern in Mannheim. Die Betriebsräte des Konzerns hatten dem Management Anfang vergangener Woche eine Forderungsliste übergeben, an deren erster Stelle der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen steht. Belz erklärte, das Verfahren laufe nun zunächst auf der Ebene des europäischen Betriebsrats ab. Bevor sich dieses Gremium nicht mit der Situation auseinandergesetzt habe, passiere an den deutschen Standorten nichts.

Alstom hatte Anfang Oktober angekündigt, in seiner Energiesparte weltweit 4000 Arbeitsplätze zu streichen. Einem internen Papier zufolge sind allein in Deutschland 589 Stellen bedroht, 474 davon in Mannheim, wo etwa 2300 Mitarbeiter beschäftigt sind. In den kommenden Tagen und Wochen sind deshalb an allen deutschen Standorten Betriebsversammlungen geplant. mk

Mannheimer Morgen, 26. Oktober 2010

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Alstom: Betriebsrat will geplante Stellenstreichungen in Mannheim nicht hinnehmen / Heute Betriebsversammlung

„Widerstand lohnt sich!”

Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kros

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Mannheim. Der Betriebsrat des Mannheimer Alstom-Werkes hat schon in der Vergangenheit die Belegschaft häufig vor Schlimmerem bewahrt. Jetzt sind die Arbeitnehmervertreter wieder gefragt, in Mannheim sind im Zuge der jüngsten Sparmaßnahmen bis zu 480 Stellen in Gefahr. Doch „Widerstand lohnt sich”, ist Udo Belz, Chef des Betriebsrates, sicher. An allen Standorten in Deutschland sind in diesen Tagen Betriebsversammlungen - heute in Mannheim.

Herr Belz, alle reden von Arbeitslosenzahlen von unter drei Millionen. Nur Alstom will kräftig Stellen abbauen. Woran liegt das?

Udo Belz: Wir haben bei Alstom vor allem langfristige Projekte. Eine Krise schlägt bei uns deshalb immer erst mit einer Verzögerung von zwei bis drei Jahren durch.

Hätte das Management nicht frühzeitiger reagieren müssen?

Belz: Absolut. In guten Zeiten wurde viel zu wenig in neue Produkte investiert. Ich denke hier in erster Linie an die regenerative Stromerzeugung. Aber auch im konventionellen Bereich sind wir mittlerweile nicht mehr so gut aufgestellt wie die Konkurrenz.

Das hiesige Werk ist ja ausschließlich auf eben diesen konventionellen Bereich ausgerichtet...

Belz: Deswegen haben wir ja für Mannheim immer wieder gefordert, alternative Produkte zu fertigen.

Offenbar ist wenig passiert. Laut interner Papiere soll Mannheim nun die Hauptlast beim Stellenabbau tragen. Stimmt das?

Belz: Es ist noch zu früh, um über konkrete Zahlen zu reden. Wir haben die Eckdaten des Sparkonzept vom Management auf europäischer Ebene erhalten und werden in den kommenden Wochen eigene Vorschläge machen. Am Ende werden dann Zahlen stehen.

Lässt sich der Stellenabbau noch verhindern?

Belz: Selbstverständlich. Wir haben in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass Konzepte der Unternehmensführung noch in wesentlichen Punkten verändert werden können. Widerstand lohnt sich! Ich würde sogar die Frage stellen, ob es den Standort Mannheim ohne unseren Widerstand überhaupt noch geben würde.

Stellen wurden dennoch oft gestrichen. Muss man fürchten, dass das Werk Mannheim irgendwann geschlossen wird, weil es zu klein ist?

Belz: Das ist auf jeden Fall eine Gefahr. Irgendwann kommen Sie unter eine kritische Größe, bei der sich ein Standort wegen der hohen Fixkosten nicht mehr rechnet. Deswegen fordern wir ja immer einen Ausgleich, wenn Mannheim Kompetenzen verliert.

Was sind aktuell Ihre Forderungen?

Belz: Wir wollen den Verzicht von betriebsbedingten Kündigungen, wie es auch unser Hauptkonkurrent Siemens macht. Stattdessen sollten wir auf Kurzarbeit und einen Lastausgleich zwischen den europäischen Standorten setzen.

So wäre aber der geplante Stellenabbau von weltweit 4000 Stellen bis März 2012 kaum erreichbar.

Belz: Das ließe sich durchaus über Kurzarbeit und die natürliche Fluktuation erreichen. Wichtiger Punkt ist, dass wir wieder das richtige Personal an Bord haben, wenn der Markt zurückkommt. Sonst müssen wir dann mit großem Aufwand neue Leute finden und qualifizieren.

Was werden Sie den Mitarbeitern bei der heutigen Betriebsversammlung sagen?

Belz: Der Vorstand soll das Sparkonzept erläutern. Danach werden wir eine Stellungnahme abgeben.

Wie ist die Stimmung in der Belegschaft?

Belz: Ich glaube, dass die Mitarbeiter verunsichert sind. Das ist doch klar, die meisten von uns haben schließlich Familie. Ich denke aber, dass die Belegschaft die Position des Betriebsrates verstanden hat und sie auch teilt. 

Mannheimer Morgen, 2. November 2010

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Wirtschaft

Nur ein Vorgeschmack

Matthias Kros über den Stellenabbau bei Alstoms

Der Ton im Konflikt um die geplanten Stellenstreichungen bei Alstom wird rauer. Nach dem ersten Schock gehen Betriebsrat und Belegschaft jedenfalls allmählich zum Angriff über. Sollte das Management an seinen Plänen festhalten, dürften die gestrigen Proteste wohl nur ein Vorgeschmack gewesen sein. Allein die sehr hohe Beteiligung an den Demonstrationen zeigt die Entschlossenheit der Mitarbeiter eindrucksvoll.

Dabei wird wohl niemand ernsthaft bezweifeln wollen, dass Alstom in Schwierigkeiten ist. Vor allem in den USA und Europa werden kaum noch neue Kraftwerke gebaut. Die Konkurrenten des französischen Konzerns haben sich allerdings frühzeitiger darauf eingestellt und in alternative Technologien investiert. Siemens ist dadurch zum Beispiel weit weniger in Bedrängnis und konnte deshalb kürzlich einen unbefristeten Kündigungsschutz für die eigene Belegschaft aussprechen.

Der Frust der Belegschaft ist somit verständlich. Und die Proteste müssen keineswegs vergeblich sein. Schon in der Vergangenheit hat es sich mehrfach gezeigt, dass Sparkonzepte des Managements noch in wesentlichen Punkten verändert werden können. Und anschließend wird es Zeit, endlich ein schlüssiges Zukunftskonzept für das Werk Mannheim zu entwerfen. Sonst kehrt wohl nie Ruhe ein.

Mannheimer Morgen, 3. November 2010

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Alstom: Rund 2000 Teilnehmer bei Protestkundgebung / Ton wird deutlich schärfer

Massendemo gegen Jobabbau

Von unserem Redaktionsmitglied Matthias Kros

Mannheim. Mit einer der größten Protestkundgebungen in der Geschichte des Standortes haben die Alstom-Mitarbeiter in Mannheim gestern gegen die Sparpläne des Managements demonstriert. Nach Angaben von Betriebsrat und Polizei zogen rund 2000 Mitarbeiter vom Werk im Mannheimer Stadtteil Käfertal bis zur Innenstadt. Bundesweit sollen es über 5000 Teilnehmer gewesen sein. Sie forderten lautstark den Erhalt aller deutschen Standorte und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Zuvor hatte Thomas Fligge, Chef von Alstom Power Systems, die Belegschaft bei einer Betriebsversammlung über die Sparpläne informiert.

Sie sind in Grundzügen schon seit längerem bekannt: Der Alstom-Konzern will wegen der schwachen Auftragslage weltweit in seiner Energiesparte rund 4000 Arbeitsplätze streichen. In Deutschland sind einem internen Papier zufolge 589 Stellen bedroht, 474 davon im größten Werk Mannheim. Daneben stehen noch 75 Jobs am Standort Düsseldorf und 40 in Bammental bei Heidelberg auf der Kippe.

„Strategielose Pläne”
Betriebsrat und IG Metall bezeichneten diese Pläne gestern als „strategielos” und kündigten an, die Proteste „massiv” auszudehnen, falls die Konzernleitung an ihnen festhalte. Der Konzern schwäche sich durch die Sparmaßnahmen selbst. Die Arbeitnehmervertreter plädieren dagegen für den Einsatz von Kurzarbeit und Maßnahmen wie Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen. Insgesamt arbeiten derzeit rund 2300 Mitarbeiter für Alstom in Mannheim.

Unternehmenssprecher Immo von Fallois sprach von einer „sehr emotionalen und bewegenden Debatte” während der gestrigen Betriebsversammlung. Es gehe nun darum, gemeinsam eine tragfähige Lösung für den Standort zu finden: „In welchem Umfang das einen Personalabbau zufolge hat, muss man dann sehen”, so von Fallois. Es sei jedenfalls „noch nichts entschieden”, betonte er. Man bemühe sich weiterhin um „sozialverträgliche Lösungen”.

Betriebsratschef Udo Belz wertete die hohe Beteiligung an den Protesten als „guten Ausdruck der Stimmung” am Standort. „Die Leute haben einfach Angst um ihren Arbeitsplatz”, meinte Belz. Er fühle sich durch die vielen Teilnehmer in seiner Position gegenüber dem Management zudem gestärkt: „Zu einer solchen Protestkundgebung gehen schließlich Mitarbeiter nur dann, wenn sie hinter dem Betriebsrat stehen”.

Man werde in den kommenden Wochen auf europäischer Ebene auf eine Rahmenvereinbarung drängen, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, so der Betriebsratschef weiter. „Und dann müssen wir sehen, was passiert, wenn sich das Management nicht auf eine solche Reglung einlässt”.

Mannheimer Morgen, 3. November 2010


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Alstom:

Betriebsrat kämpft gegen Stellenabbau

Mannheim. IG Metall und Betriebsrat von Alstom kämpfen gegen die Stellenabbaupläne des Konzerns. „Wir werden uns örtlich, bundesweit und international mit aller Entschiedenheit gegen die willkürlichen Abbaupläne der Konzernleitung wehren”, hieß es gestern in einer Erklärung der Betriebsrätekonferenz. Alstom will bekanntlich in seiner Energiesparte weltweit 4000 Stellen abbauen. In Deutschland sind an drei Standorten insgesamt 589 Arbeitsplätze bedroht, die meisten davon in Mannheim (474). Begründet wird der Schritt mit der schwachen Auftragslage.

Die Arbeitnehmervertreter halten das für falsch und behaupten, das Management suche nur nach Argumenten, „ihr Abbauvorhaben zu rechtfertigen”. Sie fordern dagegen die Fortführung der Beschäftigungsgarantie an allen Standorten bis 2015. Bislang gilt sie nur bis November nächsten Jahres. Zudem setzen sich die Betriebsräte und Gewerkschafter für den Erhalt der Kompetenzen aller Standorte ein. Ziel müsse es sein, weitere Beschäftigungsfelder zu finden. mk

Mannheimer Morgen, 12. November 2010

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