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1. 7. 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

aus Salzgitter erreichen uns Nachrichten, die uns empören und eine unverschämte Provokation gegenüber allen Beschäftigten bei Alstom in Deutschland darstellen. Die „Salzgitter Zeitung” vom 30.06.2011 berichtet über die Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat, der IG Metall und der Geschäftsleitung des Werkes Salzgitter wie folgt:

Alstom-Rettung erneut auf der Kippe

Ringen um Arbeitszeit, Stellen, Löhne hält an
Von Markus Schlesag

Bis Donnerstagnachmittag hatte vieles danach ausgesehen, als fahre der Alstom-Standort Salzgitter in eine geregelte Zukunft. Doch dann, am späten Nachmittag, erlebten die Vertreter der Arbeitnehmerseite eine Überraschung, wie Betriebsratschef Bernd Eberle berichtete. Plötzlich schienen die gesamten Verhandlungserfolge wieder gefährdet. „Wir sind absolut sauer.”

Kurz zuvor gab es noch positive Signale: „Was die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit angeht, haben wir Einigkeit erzielt”, sagte Horst Ludewig, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Salzgitter, am Nachmittag unserer Zeitung über den Stand der Verhandlungen mit der Unternehmensseite.

Was ist seitdem geschehen? Ludewig beschreibt es so: „Als es darum ging, die Beschäftigungssicherung zu gewährleisten, sagte man uns indirekt: Das trauen wir uns nicht zu.” Von Unternehmensseite hieß es gegenüber unserer Zeitung am Abend lediglich, die Gespräche könnten sich noch lange hinziehen.

Was die Arbeitnehmerseite erzürnte, fassten Ludewig und Eberle wie folgt zusammen:

  • Alstom fordert die Rückkehr von der 35-Stunden-Woche zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich;
  • Alstom fordert den vollen Verzicht auf Urlaubsgeld und auf Weihnachtsgeld;
  • Alstom fordert über Jahre den Verzicht auf Tariferhöhungen.

Alles zusammen bedeute rund 25 Prozent Einkommeneinbußen. Ludewig: „Auf dieser Basis gibt es keine Lösung.”

Der französische Alstom-Konzern plante bislang, in Salzgitter 700 Arbeitsplätze abzubauen. Das Werk schreibt seit Jahren Verluste. Der Rohbau von Zügen sollte nach Polen verlagert werden, wogegen sich Betriebsrat und IG Metall wehren. Ihr Argument: Würde der Rohbau abgezogen, wären bis zu 1400 Arbeitsplätze in Gefahr. Am Mittwoch hatte es geheißen, der Rohbau bleibe zu wesentlichen Teilen in Salzgitter.

Dieser Sachverhalt wurde telefonisch durch die dortigen BR-KollegInnen bestätigt.

Nachdem sich trotz der komplizierten Lage in Salzgitter und an anderen Standorten in den letzten Tagen ansatzweise sozialverträgliche Lösungen abzeichneten, stellt dieser Vorstoß der Alstom-Verhandlungsführer alles wieder in Frage.

Lohnverzicht sichert keine Arbeitsplätze ! Weder in Salzgitter noch anderswo!

Die Ursachen für unsere Probleme hat das Alstom-Management zu verantworten, das jahrelang in Salzgitter und an anderen Standorten technologische und ökonomische Entwicklungen verschlafen hat. Diese Herren haben sich allerdings selbst die Taschen vollgestopft. Nun sollen die Belegschaften für die Unfähigkeit der Manager Opfer bringen. Gleichzeitig zieht sich Alstom Millionen-Aufträge der Deutschen Bahn und deutscher Kommunen an Land und will nun große Teile der Wertschöpfung ins Ausland verschieben.

Das werden wir nicht mitmachen !

Wir fordern die Konzernleitung auf, ihren Einfluss geltend zu machen, damit die Verhandlungen bei Alstom-Salzgitter und den anderen Standorten in Deutschland konstruktiv fortgeführt werden. Die Kolleginnen und Kollegen in Salzgitter brauchen gerade in dieser Situation weiterhin die Solidarität einer kritischen Öffentlichkeit, der politisch Verantwortlichen und aller Beschäftigten des deutschen Alstom-Konzerns.

Betriebsrat ALSTOM
Mannheim-Käfertal

gez. Udo Belz        gez. Jürgen Vierling

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